(eh) Manon Christ vom Schwingklub Dorneck-Thierstein-Laufental gewann vor zwei Wochen in Zetzwil ihren zweiten Kranz. Den ersten gab es vor einem Jahr. Zwischen den beiden Auszeichnungen liegen eine gravierende Verletzung, hartes Training und mentale Arbeit.
Manon Christ ist 19 Jahre alt, sie weiss was sie will und hat Erfolg und Rückschläge kennengelernt. Vor wenigen Tagen hat sie ihre Ausbildung zur Hufschmiedin erfolgreich beendet. Die Arbeit mit Tieren, in diesem Fall Pferden, bereite ihr viel Freude. Freude ist auch ein Grund dafür, dass sie wieder im Sägemehlring steht und diesen zweiten, ihr so wichtigen Kranz, gewinnen konnte. «Ich bin der Meinung, wenn du nach einem Kranz den zweiten gewinnst, kann niemand sagen, dass es Zufall war». Sie weiss aber auch, dass man Erfolg nicht erzwingen kann. «Ich habe früh mit Schwingen begonnen. In unserer Familie war es eigentlich keine Frage, dass ich auch die Zwilchhosen anziehe», lacht sie. Tatsächlich: mit Dario und Marino hat sie zwei Brüder, die erfolgreich zusammengreifen. Vater Köbi war Schwinger und Trainer bei den Jungschwingern und den Aktiven des in Nunningen beheimateten Klubs. Und auch Mutter Monika ist vom Schwingsport begeistert. «Mein Vater wollte anfangs nicht, dass ich schwinge», sagt Manon. «Da hatte ich Unterstützung von meiner Mutter. Den Brüdern war es egal. Mit ihnen hatte ich zuhause im Garten aber immer wieder spontan Trainings.»
Vor vier Jahren erlitt Manon im rechten Knie einen Kreuzbandriss. Sie kämpfte weiter, machte Therapie, Aufbautraining und als sie Gewissheit hatte, dass das Knie hält, ging es wieder zur Sache. Einen Monat nach dem ersten Kranz riss das Kreuzband des linken Knies. «Jetzt war mein Kopf schon gefragt», gibt Manon zu. «Es war hart, mit 18 Jahren schon beide Knie operiert zu haben.» Sie sagt zwar, dass Frauen wegen der Anatomie ein grösseres Risiko für eine solche Verletzung haben als Männer, dennoch machte sie sich Gedanken, wie es weitergeht. Dank dem Rückhalt ihrer Familie und dem starken Willen kämpfte sie sich erneut heran und wurde jetzt belohnt mit dem zweiten Kranz. Sie setzt sich nicht zu hohe Ziele, denn ihr wurde gezeigt, dass es nicht nur auf die Ergebnisse ankommt. Sie macht weiter, geht in den Schwingkeller, auch bei hohen Temperaturen. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Schwingen bei den Frauen noch am Rande einer Randsportart ist. «In den Medien wird selten über das Frauenschwingen berichtet. Aber das ist auch nicht erstaunlich.» Während bei den Männern an einem Schwingfest über 100 Teilnehmer sind, kommen die Frauen im besten Fall auf 40 aus der ganzen Schweiz. Es hat nur wenige Sponsoren. Die meisten Wettkämpfe finden in der Westschweiz statt und es hat weit weniger Zuschauende als bei den Männern.
«Während es bei den Männern wertvolle Gaben gibt, bleiben uns manchmal nur Handtücher oder ein Säckchen Würste.» Bei ihrem zweiten Kranz nahm sie den Barpreis. «Die 200 Franken decken die Kosten der Beiträge für den Klub und den Verband.» Eine leise Enttäuschung kann Manon nicht verbergen, sie liebt ihren Sport dennoch. Wenn sie wieder bei ihrer Arbeit und den Pferden ist, denkt sie nicht mehr darüber nach. Manon Christ organisiert ihren Kalender, in dem Beruf, Schwingen und Privatleben Platz haben, selber. Das sei nicht immer einfach und sie müsse Prioritäten setzen. So auch jetzt. Sie nimmt als Leiterin, wie auch ihr Bruder Dario, an einem Lager teil. «Ich muss deshalb das nächste Schwingfest auslassen, da ich um sieben Uhr in Nyon an den Start müsste und ich am Abend zuvor meine Lehrabschlussfeier habe. Das ist mir auch wichtig.»